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Freitag, 20.10.2017

1973: Besetztes Petra Schelm Haus in Hamburg

Polizeifilm zur Räumung der Ekhofstr. 39 in Hamburg, 1973

Bei Youtube läßt sich allerlei finden. So entdeckte ich jetzt einen Film der Hamburger Schutzpolizei zu einer Hausbesetzung. Gespannt klickte ich ihn an, erkannte die eine oder den anderen, auch mich.

Frühjahr 1973 in Hamburg: eine vierwöchige Hausbesetzung sorgt in der Hansestadt für Furore. Eine Tochterfirma der gewerkschaftseigenen Wohnungsbaugesellschaft "Neue Heimat" macht sich dran, das einzige eher proletarische geprägte an der Alster gelegene Viertel Hohenfelde zu sanieren. Das heißt Mietervertreibung, nächtlicher Einsatz von Schlägertrupps, die die Häuser von innen verwüsten, um die restlichen Mieter einzuschüchtern - und das Viertel frei zu machen für eine ganz andere Klientel.

Im Vorfeld der Hausbesetzung fanden mehrfach Schutz- und Unterstützungsaktionen für die Mieter/innen durch linksradikale Gruppen statt. Einige wohnten und arbeiteten bereits im Viertel - auch gab es eine aktive Mieterinitiative. So hatte die Hausbesetzung reichtlich Rückhalt im Viertel und nutzte die Besetzung zur aktiven Agitation in der ganzen Stadt.

Was die Besetzung von anderen in Berlin, Frankfurt u.a. Städten unterschied, war dass sie von Anfang an militant ausgerichtet und auf Konfrontation angelegt war. Aber auch, dass dies nicht im Widerspruch zur (täglichen) sozialen Agitation in Haupt- und Berufsschulen, in Obdachlosenquatieren, vor Heimen usw. stand.

petra-schelm-rh-1971_0.jpgVon der Besetzer/innen wurde das Haus nach Petra Schelm benannt - eine Genossin der RAF, die 1971 bei einer Fahndungsaktion der Polizei in Hamburg erschossen wurde.

Aber auch die staatliche Reaktion setzte einen Markstein: erstmals wurde das nach der palästinensischen "Schwarzer September"-Aktion bei den Olympischen Spielen in München 1972 gebildete polizeiliche "Mobile Einsatzkommando" (MEK) überhaupt eingesetzt - und stürmte, wie es das gerade gelernt hatte, schießend das besetzte Haus und bedrohte die zu Hilfe eilenden Bewohner/innen des Viertels mit ihren MPs. Im Polizeifilm wird verschämt und fast versteckt von nur "drei Schüssen" gesprochen, was gelogen ist, aber zeigt, dass sie es doch nicht ganz unterschlagen konnten.
Erstmals wurden aber auch nicht parteimäßig (KPD, FDJ) oder guerillamäßig (RAF, 2. Juni) organisierte Aktivist/innen als kriminelle Vereinigung nach §129 StGB verfolgt und verurteilt. Einige saßen bis zu 18 Monate im Knast, einige entzogen sich der Verhaftung und gingen in die Illegalität.

Bei weiterem Rumsuchen fand ich dann auch noch eine ins Netz gestellte Sammlung von Zeitungsausschnitten zur Ekhofstr.: http://www.scribd.com/doc/22557564/Hamburg-Hausbesetzung-Ekhofstrasse-1973

Mal sehen, was ich sonst noch finde...

Nachtrag:
- Spiegel 18/1973 v. 30.04.1973: HAUSBESETZER / Blumen für die Dame, als .pdf.


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