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Samstag, 19.08.2017

Griechenland: Empörung vor Militärkulisse

karolos-papoulias-schaeuble.jpgDie „freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland“ sind auf einem Tiefstand. Das ist auch kein Wunder in Anbetracht der Rolle, die die Bundesregierung gegenüber Griechenland einnimmt. Harmlos sind die Karrikaturen, die Merkel als Strippenzieherin zeigen. Ärger schon, Merkel in SA-Uniform mit Hakenkreuzbinde vor Hakenkreuzfahne - dazu die noch mehr unpassende Zeitungsüberschrift „Memorandum macht frei“ - auf deutsch.
Jetzt beschwerte sich auch noch Griechenlands Staatsoberhaupt Präsident Karolos Papoulias über den deutschen Finanzminister Schäuble. „Wer ist Herr Schäuble?“, fragte Papoulias. „Ich lasse nicht zu, dass Herr Schäuble meine Heimat beleidigt.“ Aber er sagte eben nicht nur diese überall zitierten Sätze, sondern auch „Die Politiker sollten sich ein Beispiel an unseren Soldaten nehmen. Sie haben immer zum Vaterland gestanden.“​

Zwar hat sich Schäuble inzwischen entschuldigt und seine Verbundenheit mit Griechenland beteuert. Bemerkenswert ist an diesem „patriotischen Ausbruch“ des 83-jährige Papoulias eigentlich nur der Ort und die Kulisse, die er sich dafür aussuchte. Die Worte „platzten“ dem Staatspräsidenten während eines Besuchs im Athener Verteidigungsministerium heraus. Anwesend waren der Verteidigungsminister, Teile des Generalstabs und andere Spitzenvertreter des Militärs. Die Filmaufnahmen der Rede fertigte das Verteidigungsministerium an und sorgte dafür, dass alle TV-Sender und Nachrichtenagenturen damit beliefert wurden. Diese Anrufung von Patriotismus und nationaler Ehre vor den Standarten der Teilstreitkräften signalisiert

Eine Inszenierung - mit beabsichtigter Wirkung nach innen wie außen. Eine Botschaft, die nach innen lautet: sollte der „zivile Putsch“ der Inthronisierung der so genannten überparteilichen „Expertenregierung“ nicht reichen, um die Lage in den Griff zu kriegen, dann geht es auch anders. Als Drohung an die hunderttausenden, die gegen das Spardiktat protestieren. Und auch nach außen, gegenüber der Troika und den Geldgebern, dass man auch ganz anders könne und müsse, wenn das Diktat zu demütigend würde.

Die Ungeheuerlichkeit der Sätze des Karolos Papoulias sind nicht die Worte über Schäuble, sondern seine demonstrative Nähe zum Militär und der Verherrlichung als Vorbild: „Sie haben immer zum Vaterland gestanden“. Was kann er damit meinen, wenn nicht die wildgewordene Soldateska im und nach dem Bürgerkrieg Ende der 1940er Jahre und die Militärjunta von 1967 - 1974.

Interessant ist, dass die BILD zu den wenigen deutschsprachigen Zeitungen gehört, die diese Inszenierung überhaupt kommentieren. BILD fragt nämlich gleich „Droht Griechenland ein Militär-Putsch?“ und findet natürlich entsprechend „besorgte Bundestagsabgebordnete“. Allerdings auch mit Harald Kujat einen ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzenden des Militärausschusses der Nato. Er versteht und interpretiert die Message als Begehren der Massen „nach Leuten zu rufen, die für Ordnung sorgen, die nicht korrupt sind, die den Mut haben, etwas zu verändern.“ ​Er redet vom Militär. Eine Putschgefahr sieht er nicht - mit der bemerkenswerten Begründung, dass das griechische Militär treu zur Nato stünde. Aber war das 1967 anders?

siehe auch:

So Oder So: Krise, Krieg & Kapital: Griechenlands Militärausgaben / Wie wär’s mit: „Militärausgaben streichen!“?


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