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Donnerstag, 19.10.2017

"Die Ästhetik des Widerstands" und die Ausgabe aus letzter Hand

Peter Weiss "Die Ästhetik des Widerstands" ist ein gutes, empfehlenswertes Buch. Der Roman in drei Bänden ist in der Bundesrepublik im Suhrkamp-Verlag 1975, 1978 und 1981 erschienen.

Peter Weiss war mit dem Suhrkamp-Lektorat, vor allem beim dritten Band, sehr unzufrieden, überlegte sogar, vor der Publikation des dritten Bandes die Veröffentlichung zurückzuziehen. In einem Brief vom 6. Januar 1981 schrieb er an Manfred Haiduk: "Ich war oft nah dran, alles hinzuschmeissen und zu sagen: druckt es, wie es ist - oder wir lassen das Ganze liegen und ich nehme es mir noch einmal vor, wenn ich bei Kräften bin."

Die Bände sind erst 1983 in der DDR im Henschelverlag erschienen (Aus der Sowjetunion waren Stimmen gegen eine Veröffentlichung des Werks gekommen), 1987 dann in einer zweiten Auflage. Die DDR-Ausgabe enthält jedoch eine andere Fassung - die Ausgabe aus letzter Hand. Es wurden offensichtliche Fehler verbessert, aber im ersten und vor allem im dritten Band hat sich der DDR-Verlag (und Manfred Haiduk) an der Urfassung orientiert. Suhrkamp-Leiter Siegfried Unseld wollte dies verhindern. In der DDR-Ausgabe sollte sogar der gleiche Satzspiegel wie in der West-Ausgabe verwendet werden. Peter Weiss konnte sich gegen Unseld durchsetzen.

Zu den Unterschieden in beiden Ausgaben gibt es auch Literatur. Detailliert ist Dieter Strützel: Zur Differenz des Wortlauts der "Ästhetik des Widerstands" im Suhrkamp- und Henschelverlag. In: Jens-F. Dwars, Dieter Strützel, Mathias Mieth (Hg): Widerstand wahrnehmen. Dokumente eines Dialogs mit Peter Weiss. Köln: GNN-Verlag 1993, S. 256-291.

Zur Zeit ist über den Buchhandel nur eine Ausgabe von "Die Ästetik des Widerstands" erhältlich. Sie erschien 2005 bei Suhrkamp als Paperback. Bis heute hält sich Suhrkamp an seine alte, teils schlecht lektorierte Ausgabe. Wer Peter Weiss' Hauptwerk in der Edition aus letzter Hand lesen möchte, ist auf Bibliotheken und Antiquariate angewiesen: Es sind die gebundenen Bände aus dem Henschelverlag mit durchgehend rotem Schutzumschlag. Darin wird allerdings verschwiegen, dass es sich nicht um die wortgetreue Übernahme der Suhrkamp-Version, sondern um eine geänderte, von Peter Weiss autorisierte Fassung, handelt. Eine historisch-kritische Ausgabe des Romans müsste auch die schwedische Fassung einbeziehen, die ebenfalls Unterschiede zu den beiden deutschen Fassungen aufweist.


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